Coronapandemie – 5 Jahre danach

Coronapandemie – 5 Jahre danach

GRHeute
26.02.2025

Die Bündner Gesundheitsbehörden ziehen fünf Jahre nach Ausbruch der Pandemie und drei Jahre nach deren Ende Bilanz. Das Virus zirkuliert noch immer. Heute kann SARS-Cov-2 mit anderen Viren, die respiratorische Infekte verursachen, zusammengefasst werden. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 verläuft inzwischen meist mild. Einige Menschen erkranken aber immer noch schwer und benötigen eine Behandlung im Spital.

Am 26. Februar 2020 stellten die Bündner Behörden die ersten Coronafälle fest. Zwei Kinder im Engadin hatten sich mit dem Virus infiziert. Tags darauf wurde der Engadiner Skimarathon abgesagt. In den kommenden Wochen ergriffen sowohl die kantonalen Behörden als auch der Bund weitreichende Massnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Die Massnahmen des Kantons waren dabei denjenigen des Bundes einige Tage voraus. Im Nachhinein zeigte sich, dass rasch verordnete Massnahmen die grösste Wirksamkeit hatten.

Übersterblichkeit in den Pandemiejahren

In den zwei Pandemiejahren stellte das Gesundheitsamt auch in Graubünden eine überdurchschnittliche Sterblichkeit fest, wenn auch eine weit geringere als im schweizweiten Durchschnitt. Die Hälfte der Todesfälle im Januar 2021 wurde in Alters- und Pflegeheimen verzeichnet.

Die Todesursachenstatistik der Schweiz (für GR sind keine separaten Zahlen dazu erhältlich) für das Jahr 2020 zeigt, dass eine grosse Anzahl an Personen mit Covid-19 als Haupttodesursache verstorben ist (2020: 9294 Personen, 2021: 5967 Personen, 2022: 4114 Personen).

Fehlendes Schutzmaterial heute vorhanden

Eine grosse Herausforderung bestand für die Gesundheitsinstitutionen im Frühjahr 2020 darin, dass keine Vorräte an Schutzmaterial vorhanden waren und dieses weltweit auf dem Markt auch nicht mehr erhältlich war. Als Konsequenz daraus sind heute alle Institutionen im Gesundheitswesen angewiesen, einen Notvorrat für den Eigenbedarf für 40 Tage zu halten.

«Die Pandemieerfahrung hat in der Gesellschaft nachhaltige Spuren hinterlassen», sagt Kantonsärztin Marina Jamnicki. «Wer persönlich oder im Umfeld von einem schweren Krankheitsverlauf betroffen war, musste in dieser Zeit zudem schwere Schicksalsschläge verkraften.» Insgesamt versuchten die Gesundheitsbehörden in den Pandemiejahren immer, die angeordneten oder empfohlenen Massnahmen auf den damaligen Stand des Wissens auszurichten. Graubünden kam so vergleichsweise gut durch die Coronapandemie, auch wenn gewisse Einschränkungen zum Beispiel in Spitälern und Altersheimen einschneidend waren.

Bündner Testprogramm

Im Februar 2021 startete der Kanton Graubünden ein einzigartiges Testprogramm. Teilnehmende Arbeitgeber ermöglichten ihren Mitarbeitenden regelmässiges Testen auf SARS-CoV-2. Zu Spitzenzeiten wurden bis zu 10 000 Tests pro Tag analysiert. Eine Begleitstudie zeigte auf, dass mit dem Testprogramm eine Reduktion der positiven Fälle erreicht werden konnte.

Ende 2020 liess Swissmedic einen ersten Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zu. Bereits am 5. Januar 2021 wurden in Graubünden die ersten Personen gegen COVID-19 geimpft. Mobile Impfequipen impften Bewohnende von Bündner Alters- und Pflegeheimen. Ab Januar 2021 wurde in Impfzentren über den ganzen Kanton verteilt geimpft. Später war die Impfung auch in Arztpraxen und Apotheken erhältlich. In der ersten und in der zweiten Welle im Herbst/Winter 2021/2022 wurden bis zu 12 000 Erstimpfungen pro Woche verabreicht. Dank der Impfung verläuft die Erkrankung milder und es kommt seltener zu schweren Verläufen. Die Impfung gegen COVID-19 ist weiterhin für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf empfohlen.

Jede Pandemie ist anders

Die Kantonsärztin gibt für die Zukunft zu bedenken, dass jede Pandemie anders geartet ist. Deshalb dürfen sich Massnahmen nicht zu sehr auf die Erfahrungen aus der Coronapandemie beschränken, sondern müssen allgemeiner gehalten sein. Studien haben gezeigt, dass die Einhaltung von Hygieneregeln, das Reduzieren persönlicher Kontakte und das Tragen von Gesichtsmasken von zentraler Bedeutung sind, um die Übertragungen von respiratorischen Viren zu vermindern. Diese Hygienemassnahmen galten schon während der Spanischen Grippe 1918.

In der Bewältigung bewährt hat sich auf Behördenseite insbesondere auch der enge Austausch der verschiedenen Ämter im kantonalen Krisenstab. Dadurch konnten die unterschiedlichen Positionen und Interessen abgewogen und Entscheide breit gestützt gefällt werden. Zur Aufarbeitung der Coronapandemie liess die Regierung 2022 zwei Berichte erstellen.

Eine Herausforderung stellt nach wie vor die Versorgung und Betreuung von Patientinnen und Patienten dar, die immer noch unter den Folgen einer Covid-Erkrankung leiden. Der Grosse Rat hat die Regierung in der Februar-Session beauftragt, das Unterstützungsangebot auszubauen.

 

(Bild: Archiv) 

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