Grosse Flüchtlingslast für die Stadt Chur

Grosse Flüchtlingslast für die Stadt Chur

GRHeute
24.10.2023

Rund die Hälfte aller Personen mit Fluchthintergrund in Graubünden lebten 2022 in Chur. Die Stadt ist im Schweizer Städtevergleich überdurchschnittlich stark belastet. Die Fallzahlen in der Sozialhilfe der Stadt Chur sind demgegenüber 2022 schweizweit am stärksten zurückgegangen. Die Sozialhilfequote sank dank guter Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt auf tiefe 2.7 Prozent (Vorjahr 3.0 Prozent). 

Der Fokus des Kennzahlenberichts 2022 liegt auf geflüchteten Menschen in der Sozialhilfe. Die Gemeinden übernehmen zunehmend die Verantwortung für Personen, die 2015 als Flüchtlinge in die Schweiz kamen, wie die Stadt Chur am Dienstag mitteilte. So hat sich der Anteil der Geflüchteten an der Wohnbevölkerung in Chur von 2018 bis 2022 von 14 Promille auf 22 Promille erhöht, was doppelt so hoch ist wie im ganzen Kanton (11 Promille). Gut 50 Prozent der Personen mit Fluchthintergrund im Kanton Graubünden wohnen in Chur, obwohl die Hauptstadt nur 20 Prozent der Bündner Bevölkerung zählt.

Die Geflüchteten haben ein besonders hohes Sozialhilferisiko. Der Anteil an Geflüchteten an allen Sozialhilfe beziehenden Personen ist in Chur mit 35 Prozent sehr hoch. Chur ist damit bei der Integration von Flüchtlingen überdurchschnittlich stark gefordert.

Bedarf an Sozialhilfe in den Städten erneut gesunken – auch in Chur

Im Jahr 2022 sind weniger neue Fälle in Chur hinzugekommen. Dank mehr abgeschlossener Fälle und der statistischen Berücksichtigung der Gemeindefusion mit Haldenstein sank die Sozialhilfequote auf 2.7 Prozent. Es wurden 1’572 Personen in 538 Fällen unterstützt. Rund die Hälfte der Sozialhilfebeziehenden in Chur erzielt ein eigenes Einkommen. Trotz der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt haben es Personen ohne Ausbildung tendenziell schwieriger, eine Stelle zu finden.

Hohes Sozialhilferisiko von Haushalten mit Kindern und 36- bis 45-Jährigen in Chur

Haushalte mit minderjährigen Kindern haben in Chur nach wie vor ein doppelt so hohes Sozialhilferisiko wie Haushalte ohne Minderjährige. Insbesondere Einelternhaushalte sind davon betroffen, die im Allgemeinen hauptsächlich von Frauen nach einer Trennung oder Scheidung geführt werden. Ihr Anteil von Sozialhilfeempfängern in dieser Bevölkerungsgruppe ist in den letzten drei Jahren von 26.0 Prozent auf 22.4 Prozent zurückgegangen. Auffällig ist, dass Chur inzwischen die einzige Stadt im Vergleich ist, in der die Altersgruppe der 36- bis 45- Jährigen das zweithöchste Sozialhilferisiko hat. Hingegen haben im Städtevergleich die 46- bis 55-Jährigen in Chur ein unterdurchschnittliches Sozialhilferisiko.

Fazit für die Stadt Chur

Es zahlt sich weiterhin aus, dass die Dienststelle Gesellschaft der Stadt Chur konsequent auf die Aus- oder Weiterbildung und die berufliche Integration von Sozialhilfeempfängern setzt. Um die erkannte Benachteiligung von minderjährigen Kindern aufzufangen, setzt die Stadt Chur weiterhin auf die frühe Förderung sowie die verstärkte Förderung der familienergänzenden Kinderbetreuung. Der Stadtrat wird sich beim Kanton Graubünden dahingehend einsetzen, dass eine ausgewogenere Verteilung der asylsuchenden Menschen auf die Bündner Regionen vorgenommen wird.

(Bild: GRHeute)

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