Mit Olympia 2026 gegen drei Krisen

In Graubünden brennt das olympische Feuer wieder. Der Grosse Rat hat gestern entschieden, die Promotoren bei der Ausarbeitung einer Kandidatur für die Spiele 2026 zu unterstützen. Der Regierungsrat hatte schon vorher beschlossen, den Vorstoss entgegenzunehmen.

Die Olympischen Spiele bleiben ein Dauerbrenner in Graubünden. Knapp drei Jahre nach der mit 52,6:47,4% knapp verlorenen Olympiaabstimmung wagen die Bürgerlichen und die Bündner Wirtschaft einen neuen Versuch. Für den Grossen Rat war gestern nach eineinhalbstündiger Debatte klar, dass Olympische Spiele eine grosse Chance für Graubünden sind und überwiesen den Vorstoss mit 73 zu 13 Stimmen an die Regierung.

Auch die Gegnerschaft war schnell zur Stelle: Die Sozialdemokraten sagen praktisch geschlossen Nein und nervten sich darüber, dass es schon wieder ernst wird mit Olympiaplänen in Graubünden.

Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini ist anderer Meinung. «Wir können es uns nicht leisten, auf die Option Grossanlässe zu verzichten», begründet er, eine Zusammenarbeit mit anderen Kantonen oder Regionen im Alpenbogen sei nicht ausgeschlossen. Voraussichtlich wird sich der Kanton mit einem Betrag in sechsstelliger Höhe zur Ausarbeitung eines Bewerbungsdossiers beteiligen.

CVP betont die neue IOC-Agenda

In einem Leserbrief betont die CVP Graubünden die veränderten Voraussetzungen durch die Agenda 2020 des IOC. Dabei erhalten Bewerberstädte mehr Freiraum und Unterstützung vom IOC, dazu wird die Nutzung vorhandener oder temporärer Sportstätten ebenso unterstützt wie ein Masshalten und eine Reduktion der Bewerbungs- und Eventkosten.

Der Bündner Olympia-Promotor Andreas Wieland hatte vor einem Monat bereits einige Eckdaten zu seinem persönlichen Konzeptvorschlag 2026 verraten. Auch der ehemalige Mister Olympia Gian Gilli hatte sich in diesem Zusammenhang gegenüber GRHeute geäussert.

(Und auch in der Redaktion polarisierte das Thema sofort und hatte ein Er saitSi sait zur Folge).

Dass es keine Zwängerei sei, jetzt das Thema Olympia bereits wieder auf’s Tapet zu bringen, begründet die Bündner Regierung mit den veränderten Rahmenbedingungen: Der Preiszerfall für Strom aus der Wasserkraft, die ungewisse Zukunft im Baugewerbe nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative und die vor allem durch den teuren Franken ausgelöste Tourismuskrise hätten die Situation in den letzten Jahren verschärft.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet 2019 über die Vergabe der Winterspiele 2026. Die Olympia-Promotoren möchten das Anliegen nächstes Jahr dem Bündner Stimmvolk vorlegen. Auch Swiss Olympic müsste sich für Graubünden entscheiden (zumindest das Wallis will die Spiele auch), ehe es zu einer Bewerbung beim IOC käme.

In der Schweiz wurden bisher zwei Mal Olympische Winterspiele veranstaltet, sowohl 1928 als auch 1948 in St. Moritz. Für 2026 wird die Oberengadiner Feriendestination (in der dezentralen Organisation) ebenfalls als Namensgeber favorisiert.

 

(Daniel Goelzhaber/EQ Images)